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Stadtbaugeschichte

STADTVISIONEN 1910|2010

Berlin Paris London Chicago, 100 Jahre »Allgemeine Städtebau-Ausstellung in Berlin«

Albert Gessner (1868-1953) Wettbewerb Groß-Berlin 1910.<br>Von der Südbahnhofstraße zum Müggelsee<br>Architekturmuseum, TU Berlin<br>Inv. Nr. 8014Weitere Informationen finden sich unter: http://www.stadtvisionen1910-2010.de

Anlässlich des 100jährigen Jubiläums der „Allgemeinen Städtebau-Ausstellung in Berlin 1910“ zeigt die TU Berlin im Herbst 2010 die Ausstellung STADTVISIONEN 1910|2010. STADTVISIONEN 1910|2010 ist ein Pilotprojekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie zugleich ein Beitrag der TU Berlin zum Berliner Wissenschaftsjahr 2010. Initiatoren des Projekts sind Harald Bodenschatz und Hans-Dieter Nägelke (TU Berlin) in Kooperation mit Harald Kegler (Bauhaus-Universität Weimar) und Wolfgang Sonne (TU Dortmund). Als Kuratorin konnte Christina Gräwe gewonnen werden, die an zahlreichen Ausstellungen des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main mitgewirkt und dort zuletzt die Ausstellung über Martin Elsaesser kuratiert hat. Mit der Ausstellung STADTVISIONEN 1910|2010 soll – wie schon 1910 – das Themenfeld Städtebau einer breiteren Öffentlichkeit anschaulich gemacht werden.

Heute wie vor hundert Jahren gilt die deutsche Hauptstadt als Stadtlabor, in dem neue Visionen und neue Wege des Städtebaus erprobt werden. Mit der großen Städtebau-Ausstellung 1910 verglich sich Berlin erstmals und erfolgreich mit den Großstädten Europas und der USA. Damals ging es darum, Antworten auf die Herausforderungen einer chaotisch wachsenden Großstadt der Industriegesellschaft zu finden. Heute, nach 100 Jahren, präsentiert sich Berlin erneut im internationalen Umfeld – diesmal als Modell einer Metropole der postindustriellen Gesellschaft im Zeichen des Klimawandels.

Die Ausstellung STADTVISIONEN 1910|2010 zeigt Berlin im Kontext weiterer Großstädte als internationales Kompetenzzentrum für Städtebau gestern (1910) und heute (2010). Neben den großen Plänen von 1910 werden die aktuellen und künftigen Projekte des Berliner Städtebaus präsentiert – zusammen mit den Ideen weiterer herausragender Metropolen, die 1910 wie heute im Städtebau Aufmerksamkeit erzeugten: Paris, London und Chicago.

Alt-Berlin, Marienviertel, Rathausforum …

Geschichte und Zukunft eines umstrittenen Stadtraums

Autoren 
Harald Bodenschatz

Der große Freiraum zwischen Spree und Alexanderplatz ist wieder Gegenstand kontroverser öffentlicher Debatten geworden, an dem unterschiedliche Gestaltungsvisionen aufeinanderprallen, die ihrerseits unterschiedliche Geschichtskonstruktionen bemühen. Gesellschaftlicher Streit ist prinzipiell wünschenswert, im Detail aber, mit Blick auf die konkrete Form des Streites, ist er vielleicht doch ein wenig problematisch. So rückt die erneute Fokussierung der städtebaulichen Diskussion auf die historische Mitte andere nicht minder wichtige Orte und Themen in den Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit.[1]

[...]

Die europäische Großstadt: Version 3.0

Autoren 
Harald Bodenschatz

Veröffentlicht auf den Seiten der Bundeszentrale für Politische Bildung.

Alle sprechen von der Renaissance der Stadt, mal euphorisch, mal skeptisch, und meinen damit die (mittel-)europäische Großstadt, vor allem deren Zentrum. Die "Renaissance der Stadt" zeigt sich zuallererst an der Rückkehr besser verdienender Bürgerinnen und Bürger, manchmal Urbaniten genannt, in die Innenstädte - als Touristen, Bewohner, Werktätige und Kunden, aber auch an der Verbreitung fußgängerfreundlicher, attraktiv gestalteter öffentlicher Räume, die zu Erlebnisräumen und Bühnen der Selbstdarstellung dieser Urbaniten werden. Neue oder erneuerte Museen, große Ausstellungen, Musikevents, aber auch unzählige Ereignisse der Pop Culture ziehen erwartungsfrohe Menschen in die Innenstädte.

Die alte Stadt: Zu sehr geliebt?

Veröffentlicht auf den Seiten des Deutschen Architektenblattes.
 
Nie sahen unsere Altstädte so proper aus wie heute. Und doch sind viele gefährdet: Kommerz, Tourismus und Musealisierung drohen die einen zu sterilisieren. Den anderen fehlen Bewohner und Geld für die nötige Pflege.
 
Wir lieben unsere Altstädte, wir lieben sie so sehr, dass sie oft leiden müssen. Wenn wir sie aber nicht so sehr lieben würden, müssten sie noch mehr leiden. Heute mehren sich allerdings die Zeichen, dass die Liebe zu verwelken droht. Unsere deutschen Altstädte sind eigentlich noch gar nicht so alt. Und unsere Liebe zu ihnen erst recht nicht. Sie keimte auf, als im späten 19. Jahrhundert alte Gebäude massenhaft abgerissen, Stadtmauern und Stadttore dem Verkehr geopfert, enge Straßen verbreitert, überkommene Parzellengrößen und Gebäudehöhen gesprengt wurden.

Es gab ein Berlin vor dem Schloss

Die geplante Rekonstruktion des "Klosterviertels" erinnert an die alte Bürgerstadt

Autoren 
Harald Bodenschatz

Das alte, mittelalterliche Berlin ist weithin vergessen. Es ist auch nicht mehr erfahrbar, weil kaum Bauten aus dieser Zeit überlebt haben. Dass es ein bürgerliches Berlin vor der Ankunft der Hohenzollern gab, vor dem Bau einer Zwingburg und eines Schlosses, ist aus unserem kollektiven Gedächtnis getilgt. Berlin war im Mittelalter keine großartige Stadt von europäischer Bedeutung, die späteren Herrscher schämten sich oft für sie. Eine Residenzstadt, eine preußische Hauptstadt, eine deutsche Hauptstadt schien unvereinbar mit Alt-Berlin. Das Schloss stellte das alte Berlin spätestens seit dem frühen 18. Jahrhundert in den Schatten, alle bedeutenden Neubauten entstanden seither westlich des Schlosses.

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